01. September 2020

Unser Sommerfest am 15. August 2020

Im Vorfeld wurde geackert und geschuftet, was das Zeug hält: Laufwege festgelegt, Sitzordnung und Abläufe organisiert und eine Menge anderer Aufgaben erledigt, bis das Chorfest dann endlich stattfinden konnte.
Bis auf Christoph aus Bergedorf waren alle Chorleiter*innen anwesend; stellvertretend hat Nele ein Kind mitgebracht, das sich in ihrem Bauch auf einen fröhlichen Tag freuen durfte. Das Chorfest war gut besucht und, obwohl es gern noch ein paar mehr Sänger*innen hätten sein können, waren wir stimmgewaltig und haben das Stadion, unsere Lungen und Herzen zum Beben gebracht. Das Singen auf der Tribüne mit der tollen Akustik und den vielen Sänger*innen haben wir in vollsten Zügen genossen!
Zum Auftakt wurden unsere Lebensgeister von unserem immer gut gelaunten und witzigen Chorleiter Jon geweckt und es wurde uns mit Kanonsingen ordentlich eingeheizt, was sicherlich allen viel Spaß machte. Neben unserem kraftvollen, großen Chor durften wir noch weitere Highlights erleben: Eine „älter & besser“- Chorkollegin, die aus Selm zu Besuch war, ließ uns mit einem eigenen Text teils sehr augenzwinkernd an ihren Erfahrungen und Gedanken an und über den berühmten Fußballspieler Andy Möller teilhaben. Der Text passte sehr gut in das sportliche Ambiente des traditionsreichen Stadions des SC Victoria, das uns umgab. Danach schloss ich mich mit einem eigenen Gedicht über den „Lebensklang“ an, der Raum gab, ein wenig nach innen zu gehen.
Unsere energiegeladene Inka lud uns im Anschluss ein, das afrikanische Lied „Siya Hamba“ zu schmettern; danach wurde es mit dem getragenen „Confitemini domino“ und „Ja dan Duia“ wieder ruhiger. Unsere „älter & besser“- Chorhymne „Wir singen im Chor“ durfte natürlich auch nicht fehlen, die wir von der Fantribüne jubilierend aufleben ließen und an der wir sogar noch in einer Probe ein wenig gefeilt haben. Nele versetzte uns dann in Hochstimmung, als sie ein kabarettistisches Lied von Georg Kreisler in sehr humorvoller Weise vortrug, so dass manche*r Zuschauer*in vor Lachen fast von seinem/ihrem Stuhl gekippt wäre, und erntete tosenden Applaus.
Dann folgte die „Raubtierfütterung“, die aber ohne Blessuren verlief. Gut gelaunt stellten wir uns mit gebührendem Abstand brav in die Reihe, bevor wir am Buffet des Vereinslokals SC Viktoria unsere Gesichter mit unseren Masken zierten und darauf warteten, von zwei jungen sportlichen, netten Herren mit Kuchen verwöhnt zu werden. Währenddessen bestaunten wir die Uraufführung des „Chorleiter*innen-Ensembles“, das sich spontan zusammengefunden hatte, um uns mit ihren niveauvollen Liedern reich zu beschenken. Sie lieferten ein beeindruckendes und vielfältiges Programm ab und begeisterten uns mit ihrem gekonnten Gesang vierstimmiger Lieder in verschiedenen Sprachen und einem rhythmisch sehr anspruchsvollen Sprechgesang zum Thema Fußball, der durch das ganze Stadion hallte. Erste Sahne! Dankeschön!
Glücklicherweise war in der Pause auch noch Zeit genug, ein Käffchen zu schlürfen und ein bisschen zu quatschen. Danach ging es wieder rauf auf die Tribüne, wo wir uns setzten und unsere fleißige Inka bekannt gab, dass sie das Amt der Vereinsvorsitzenden bei der nächsten Mitgliederversammlung abgeben werde. Es stellten sich zwei sehr engagierte, sympathische Sängerinnen aus Altona vor, die sich bei der nächsten Mitglieder-Versammlung als Vereinsvorsitzende (Karin Albers) und als Kassenwartin (Helga Breuer) zur Wahl stellen. Weitere Mit-Kandidaten sind herzlich willkommen!
Nach dieser kleinen Verdauungspause lud uns unsere immer gut gesinnte, gelassene Almut zu einem offenen Singen ein. In guter Erinnerung ist mir besonders geblieben, dass wir ein sehr schönes, zu Herzen gehendes, fast meditatives Friedenslied mit Hilfe unseres eigenen Pulsschlags sangen. Auf diese Weise überlagerten sich die Stimmen wie bei einem Kanon und es klang sehr vielschichtig. Zum Abschluss fand sich eine Gruppe um Bernd-Ulrich, die uns kreative und lustige Fragen stellten z.B. ob wir dafür wären, dass sich die Chorleiter*innen das „älter & besser“-Logo auf die Fußsohlen tätowieren lassen sollten? Ich war natürlich dafür! In dieser aufgelockerten Stimmung konnten wir noch viel zusammen lachen und beschwingt in den Abend gehen.

Alles in allem war das Chorfest ein herzliches, unbeschwertes Miteinander und ein tolles, vielseitiges kulturelles Programm, was wir Sänger*innen von „älter & besser“ mit den Chorleiter*innen gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Es zeigte sich wieder einmal, was für ein toller, bunter Haufen wir sind! Spätestens beim Zusammensitzen in fröhlicher Runde, zu der sich auch unsere Chorleiterin Inka gesellte, und dem Revue-passieren-lassen des Chorfestes, bei einem Glas Bier oder einer Apfelschorle auf der gemütlichen Terrasse des SC Viktoria, spürte man, wie allen das Herz aufgegangen war, die Begeisterung für das Singen, die gute Atmosphäre der Chorgemeinschaft und die Dankbarkeit für diesen gelungenen Tag! Dank an alle, die dies möglich gemacht haben! Applaus, Applaus!

Carola Millies
Eppendorfer Chöre


01. September 2020

Meilensteine unseres Chorlebens 2018-2020 - Teil 2

©Sara Storbeck (Sängerin Eppendorf)
Bild: Sara Storbeck (Sängerin Eppendorf)

Zündende Spruchweisheiten decken auf ihre Weise auf, was sich grundsätzlich hinter den eigentlichen Vorgängen verbirgt und manchmal erst im Nachhinein klar wird, dann, wenn man das Denken oder Sprechen über Erlebtes mit einem dieser Sprüche abschließt und wie nach einem ausgiebigen Plausch in vertrauter Runde bekräftigt: „Ja, so ist das“.

 

Nur wer auf dem Platz steht, schießt ein Tor.

Stephan Weil (Ministerpräsident in Niedersachsen)

 

Diese Weisheit beschreibt wohl die Erfahrung, dass wir Chorsänger*innen verlässlich mittwochs zur verabredeten Zeit zusammentreffen, sich nichts entgehen lassen, die Stadien des Probens mitvollziehen, möglichst nichts nachholen müssen. Sicherlich ist eben das gemeinsame Singen der Hauptgrund, ja auch das Hauptziel, der Verbindlichkeit erzeugt. Darüberhinaus wurde verabredet, einmal im Monat nach der Probe ein „get together“ zu veranstalten, in lockerem Rahmen zum privaten Austausch. Den Zusammenhalt förderten auch zwei seit letztem Jahr gebildete Institutionen – nicht nur innerhalb des Altonaer Teilchores, sondern auch alle sechs Teilchöre betreffend -: einmal die monatliche AG, an der teilnehmen kann, wer will, wo alle Fragen des Gesamtchores besprochen werden, und zum anderen, seit 1. Juli 2019 der möglichst ansprechend gestaltete Newsletter, der alle Sänger*innen per e-mail jeweils zum Ersten jeden Monats mit diesen Inhalten erreicht: relevante Chor-Infos, Termine, Äußerungen und Beiträge von Chormitgliedern, Tipps, Veranstaltungs- und Konzerthinweise, Änderungen, Anleitungen für Stimmübungen zu Hause, von Chormitgliedern vorgeschlagene Verabredungen, Unterhaltsames, Gedichte, Fotoimpulse, Graphiken von Chormitgliedern … usw. AG und Newsletter bilden zwei verlässliche Klammern für die auf vier Standorte verteilten Teilchören, insgesamt begleitet auch von den regelmäßigen Konferenzen der fünf Chorleiter*innen, sodass jedes Chormitglied zu jeder Zeit „auf seinem Platz“ stehen kann.

 

Man muss auch am Fluss sitzen und warten können.

Stefan von Holtzbrink

 

Seit März 2020 wird nun allen Chorbeteiligten durch den Corona-Lockdown eine harte Geduldsprobe abverlangt, der radikale Stopp aller Proben, informeller Treffen und Veranstaltungen. Zum Warten ohne Perspektive ließen es die Chorleiter*innen jedoch nicht kommen. Mit vielfältigen Ideen zur häuslichen Probe, zum privaten Singen, zu vorbereitenden Stimmproben für zukünftiges Ensemble-Singen füllten sie den Zwang zum Rückzug in die Privatheit. Dies funktionierte vor allem wegen des bereits vorhandenen

e-mail-Netzwerkes unter den Sänger*innen. Diese Ideen nährten die Aussicht auf baldiges wieder gemeinsames Singen. Immer mit Blick auf das rechtlich Erlaubte wurde dieses Warten in einem ersten Schritt belohnt: ab 10. Juni wagten wir, begünstigt durch tolles Sommerwetter, im Grünen vor dem Haus Drei Stimm - und Gesangsproben, natürlich mit geregeltem Abstand. Schwerpunkt war die Chorhymne, die Hermann Neus für unseren Gesamtchor auf die Melodie „Champs Elysées“ gedichtet hat und von Christoph Westphal arrangiert wurde.

 

Leben heißt Liegen auf einem blinden Fleck,

von dem aus man alles ganz deutlich sieht.

Kerstin Preiwuß

 

Zur Zeit trifft dies zu, wir wissen nicht wie es weiter geht, welche zu erhoffenden verbindlichen Formen sich wieder etablieren lassen, man fühlt sich blind wie inmitten einer Nebelschwade. Dennoch, wir sehen deutlich aus der vorgängigen Erfahrung, welche Bestandteile unseres Chor-Lebens wiederkehren sollten, um weiterhin jung zu werden und zu bleiben mit Chorsingen in allen seinen Aspekten und Auswirkungen auf Zusammensein, Austausch und unser Selbstgefühl.

So hat sich die Neugründung des Chornetzwerkes „älter & besser“ im Jahr 2018 gerade im abgelaufenen Jahr 2019-2020 - trotz Corona – konsolidiert.

 

Versuch einer Bilanz,

Bernd-Ulrich Fritz, Haus Drei, Altona


01. August 2020

Meilensteine unseres Chorlebens 2018-2020 - Teil I

Zündende Spruchweisheiten decken auf ihre Weise auf, was sich grundsätzlich hinter den eigentlichen Vorgängen verbirgt und manchmal erst im Nachhinein klar wird, dann, wenn man das Denken oder Sprechen über Erlebtes mit einem dieser Sprüche abschließt und wie nach einem ausgiebigen Plausch in vertrauter Runde bekräftigt: „Ja, so ist das“.

 

Man braucht sehr lange, um jung zu werden.

Pablo Picasso

 

Was verbirgt sich hinter dem Motiv, als 60 Plusser einem Chor beizutreten? Es sind derer sicherlich viele, aber sicherlich auch dieses, den Jubel der Jugendjahre wieder aufleben zu lassen, als man zum Überschwang in erlebnisverdichteten Situationen ins Singen, ins Trällern, ins Schwärmen, eben ins Jubilieren nach Lust und Laune und dabei in bekannte oder neu geschaffene Ton-und Liedfolgen verfiel, um dem inneren, angestauten Hochgefühl irgendwie Herr zu werden und Ausdruck zu verleihen. Man darf vermuten, dass wir Sänger*innen daran anknüpfen, im gemeinsamen Singen sich noch einmal und wieder zu verwandeln, sich im Singen zu vergessen, sich miteinander davontragen zu lassen.

 

Wohl auch dadurch bewegt haben sich am 22.08.2018 in Altona nach einem Aufruf in der Zeitung von unserer Chorleiterin Inka Neus spontan 50 Sänger*innen versammelt. Und 2019-20 ist unser Chor weiter gewachsen mit treuen und unterstützenden Mitgliedern im Verein und einem nun schon gewachsenen Austausch untereinander. Gelegenheit wieder jung zu werden gab es reichlich, z.B. am Chortag im Oktober 2019 zusammen mit den vier anderen Teilchören von „älter & besser“ im Brakula. Geradezu etwas Akrobatik und eben jugendliche Aktion verlangte der Workshop „body percussion“, der von vielen angewählt wurde, ein Zeichen für die schlummernde Lust an der tänzerischen Bewegung und dem immer wieder empfundenen Impuls, die musikalischen Empfindungen in körperliche Schwingungen zu verwandeln. Dieselbe Erfahrung brachte nebst weiteren interessanten Workshops die „flashmob“-Probe mit allen unseren fünf Teilchören, wobei schon ohne großes Nachhelfen die Energien freigesetzt wurden, die den Charme der eigentlichen Aufführung ausmachen, eine Aktion, die man eher von Jugendlichen kennt, weil es dabei dynamisch, quirrlig-lebendig und unkonventionell zugeht.

 

Boldly go where no man has gone before

Mutig vorstoßen, wo noch kein Mensch war

 

So war es auch, wir stießen mit dem „flashmob“ in Neuland vor. Vor dem Rathaus ging es am 1.11. los mit „Little light of mine“ in einem Arrangement von Christoph Westphal und einer Choreographie von Inka Neus und begleitet von einer Samba-Gruppe. Zwei Wiederholungen entlang der Mönckebergstraße folgten, mündeten in einen letzten Auftritt in der Wandel-halle des Hauptbahnhofs - eine einzigartige Erfahrung für uns Sänger*innen: die Geschlos-senheit des Raums und unserer Chorgruppe, das Echo aus den Tiefen und Höhen der Halle, die Zuhörer ringsum auf der Galerie, die teilweise angestachelt mitsangen, die Energie, die sich ganz von alleine steigerte und in einem letzten Ausruf spannende Stille in der Halle erzeugte - Wow!

 

Unser Kopf ist rund,

damit das Denken die Richtung wechseln kann.

Francis Picabia

 

Wir sind nicht auf einen Musikstil festgelegt, singen gerne Traditionelles, klassische Titel aus allen Jahrhunderten, Oldies, die uns wieder bei unseren jugendlichen Erfahrungen abholen; geistliche Lieder, die nicht alle Sänger*innen immer wünschen, und auch rhythmisch und musikalisch Schwieriges aus der Pop-Literatur, Launiges und Ernstes aus vielen Kulturen. Interessant sind dabei die Angebote der Chorleiter*innen, die wiederum in Neuland führen und uns Sänger*innen behutsam aus unserer musikalisch gewohnten „Blase“ herausführen können. Produkt dieses vielfältigen und „die Richtung wechselnden“ Angebots ist das „Kanonheft“ mit 70 Kanons, eben auch weniger bekannten. Ausgewählt von Sänger*innen und Chorleiter*innen liegt das Heft gedruckt vor. Ein Exemplar wurde allen ca. 250 Sänger*innen in den fünf Teilchören ausgehändigt und kann ansonsten erworben werden.

 

Versuch einer Bilanz, Bernd-Ulrich Fritz, Haus Drei, Altona


01. Juli 2020

Was heißt eigentlich "Ja dan Duia"?

Ich wollte es wissen: Ja, dan duia – ein sinnvoller Text mit Inhalt?

Die ersten Versuche mit dem Wörterbuch blieben ohne Ergebnis. Im Finnischen gibt es dazu keine Entsprechung. Also, Frage an eine Person, die in der finnischen Sprache zu Hause ist. Bei der Deutsch-Finnischen Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. fand ich sie.
Ihre Vermutung: es ist eine Phantasielautfolge, was ich auch schon vermutete, allenfalls gebe es Anklänge an das finnische Verb uinua = schlummern.

Bild: Dr. Georg Hoffmann
Bild: Dr. Georg Hoffmann

Ja, und da ist doch noch der bezwingende Dreiertakt (in der mittelalterlichen Musik tempus perfectum genannt), wiegend einschlummern lassend, also, „Ja, dan duia…“ vielleicht ein Wiegenlied?

Das vermutet Frau Sinemus-Ammermann von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft und fügt noch Informationen des finnischen Rundfunks YLE zur Komponistin Soili Perkiö hinzu:
„Soili Perkiö ist seit mehr als 20 Jahren Dozentin für Musikerziehung an der Sibelius Akademie in Helsinki. Sie hat die meisten der heute tätigen Erzieherinnen in Musikkindergarten ausgebildet und hat an vielen Lehrbüchern ihres Faches mitgewirkt.
Zuerst der Vers, dann die Melodie
Die Lieder von Soili Perkiö sind eher volkstümlich. Sie haben einen mitreißenden Rhythmus und eine leicht zu erlernende, „ohrwurmartige“ Melodie.
Die Komponistin textet ihre Lieder nicht selbst, sondern verpasst vorhandenen Gedichten und Kinderversen eine Melodie. „Wie soll man denn sonst wissen, welche Art von Lied man komponieren soll“, sagt Perkiö.
Sie arbeitet seit vielen Jahren mit der Kinderbuchautorin Hannele Huovi zusammen. Sie lobt die Vielschichtigkeit ihrer Texte. Darin findet jede Altersgruppe ihre eigenen „Dinge“. Noch wichtiger ist allerdings für die Komponistin, dass Huovi ihre Texte vor der Niederschrift laut vor sich hinmurmelt.
„Lieder müssen sich gut im Mund anfühlen. Hannele Huovi spricht ihre Texte laut vor, damit sie weiß, wie sie schmecken und sich anfühlen. Es ist dann sehr leicht, ihre Texte zu vertonen, weil ihnen bereits die Vorstellung innewohnt, wie sich die Zunge im Mund bewegt und tanzt.“


Das passt doch gut zusammen, eine Komponistin, die in der musikalischen Früherziehung tätig ist, eine Texterin, die ihre Texte zuerst lautmalerisch gestaltet, bis sie sich gut anfühlen. Man kann sich vorstellen, dass auf diese Weise der Kanon entstanden ist.

Enttäuschung über fehlenden Sinnbezug des Kanons? Diese Überlegung führt darüber hinaus: Kleinkinder entwickeln ähnliche Laute, sog. Protowörter, die in bestimmten Situationen auch klare Bedeutungen haben - z.B. „na“ für etwas haben wollen oder „wiawia“ = drehen (Knopf, Buchseite, Rad) -, aber auch sinnhaft nicht festgelegt sein können und spielerisch in Kaskaden von Lautfolgen probiert und geübt werden.

Spielerisch Sprache zu gebrauchen zeigt sich bei bestimmten Jugend- und Geheimsprachen, wo sich zwar auch klare Bedeutungen dahinter verbergen können, aber auch die Lust entstehen kann, bedeutungslose Sprachwasserfälle zu inszenieren aus lauter Vergnügen an sprachlichen Erfindungen.

Diese Kunst wird bewusst durch das sog. Grammelot oder Grummelot als Theaterübung eingesetzt, mit wenigen sinnfreien Buchstabenfolgen die Gefühle darzustellen, um in Spielsituationen die Tiefendimension durch Vereinfachung und Verfremdung begreifen zu können. Jeder vorher festgelegte Text würde den Schauspieler einengen, festlegen, seine Darstellung als blutleer erscheinen lassen.

Fazit: der rätselhafte, nicht festgelegte Text von „Ja, dan duia …“ macht frei, die eigenen Gefühle, Assoziationen, Erinnerungen hervorzurufen und zu besingen, verstärkt durch den schwingenden Dreiertakt, sodass „die Seele weit ihre Flügel ausspannen kann, um davon zu fliegen.“

Bernd-Ulrich Fritz, Haus Drei, Altona